Grundlagen Kraftstoffversorung bei Vergasern Kymco

Hier stehen wichtige Infos über grundlegende Funktionen eurer Fahrzeuge : Aufbau und Funktion von Bauteilen , dazu die dementsprechenden Fragen und Antworten . Bitte gleitet hier NICHT in's OT ab , es soll sachlich bleiben !
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Grundlagen Kraftstoffversorung bei Vergasern Kymco

Beitrag von MeisterZIP » 12.06.2019, 11:48

So , weil mich diesbezüglich immer wieder Verständnisfragen erreichen , hier mal ein paar Worte dazu .

Der Sprit muss irgendwie in den Vergaser . Liegt der Tank unterhalb des Niveaus des Vergasers ( ich nehme mal als Beispiel den Kymco Yager ) , muss der Sprit hoch gepumpt werden .

Dies geschieht in den meisten Fällen ( bei Kymco immer ) durch eine Benzinpumpe , die unterdruckgesteuert ist .

Wie gehts ?
Der Kolben geht runter , über dem Kolben wird eine Volumenvergrößerung erzeugt , hierdurch fällt der Druck , bis der Kolben auf dem UT ist .
Beim Zweitakter ist es übrigens genau andersherum , da geht der Kolben nach oben ( bis zum OT ) , erzeugt damit UNTER dem Kolben mehr Volumen und damit eine Druckveränderung .

In beiden Fällen fällt der Druck , es wird also ein Unterdruck im Verhältnis zum Umgebungsdruck erzeugt .

Dieser Unterdruck pulsiert . Es wird halt nur eine Änderung vollzogen , wenn der Kolben runter geht ( 4T ) oder hochgeht ( 2T ) .

Der Unterdruck zieht eine kleine , federbelastete Membrane an und lässt sie dann wieder los , wenn der Druck sich wieder normalisiert . Unter der Membran wird durch die dort entstehende Volumenvergrößerung ( auch ein Unterdruck ) zum Ansaugen von Benzin aus dem Tank genutzt . Der Sprit läuft dabei durch eine Bohrung in einen Reservoirbehälter , dessen Zulauf mit einem Federplättchen wie ein Ventil nur aufgeht , wenn Sprit kommt .

Ist der Unterdruck weg , geht die Membran wieder zurück , der Sprit kann wegen dem Federplättchen nicht mehr in den Tank zurückgedrückt werden und wird über eine Ablaufbohrung in den Spritschlauch und von dort in den Vergaser transportiert .

Da die Drücke recht gering sind , reicht das Schwimmernadelventil im Vergaser aus , den Spritfluss zu regulieren , es besteht also keine Gefahr , dass bei hohen Drehzahlen zuviel Sprit gefördert wird und der Vergaser oder die Leitung oder die Pumpe platzt .

Förderte eine solche Pumpe nicht ( mehr ) , ist meistens das Federplättchen verklebt oder die Membran gerissen . Man kann die Pumpe mit Spezialwerkzeug zerlegen und reinigen . Starten würde ich das Fahrzeug dann mit externem Sprit , bis die Pumpe schnell genug pumpt und auch wieder fördert . Ansonsten kann es durchaus passieren , dass kein Sprit kommt , selbst wenn die Pumpe neu , der Tank voll und alles sauber ist .

Kommen wir nun zu dem Fall , dass der Tank vom Niveau her überhalb des Vergasers liegt .
In diesem Fall reicht eigentlich nur eine Leitung vom Tank zum Vergaser und der Sprit läuft .

Früher hatte man in dieser Leistung oft einen Benzinhahn verbaut , aber heute wird das bequemer für den User eledigt .

Im Benzinhahn gibt es , wie in der Kraftstoffpumpe , auch eine Membran , federbelastet .

Sobald der Motor Unterdruck erzeugt , wird durch eine Leitung der Raum unterhalb der Membran mit Unterdruck beaufschlagt , die Membran wird nach unten gezogen . Sie gibt dabei durch einen angebauten kleinen Schieber eine Öffnung frei , die dann den Sprit in der Vergaser laufen lässt .

Motor aus , Unterdruck weg , Membran wieder oben , Spritfluss unterbrochen . also ein auitomatischer Benzinhahn .

Bei beiden Funktionsprinzipen ist es von essentielle Bedeutung , dass der Unterdruckschlauch keine Risse hat und nicht abgeklemmt ist , denn so kann der Unterdruck nicht das tun , was er soll .

Wichtig auch bei diesen Unterdruckschläuchen ist es , dass wirklich nur Luft darin ist .

Wenn beispielsweise die Membran LEICHT undicht ist , kann sie zwar noch angezogen und damit aktiviert werden , aber es sickert Sprit durch die Membran in die Unterdruckleitung , die meistens am Ansaugstutzen oder am Motorgehäuse angebracht ist . Die Folge ist ein gnadenlos absaufender Motor , weil Sprit neben dem Vergaser durch die Unterdruckleitung direkt in den Motor kommt .

Also bei komischen Fehlern mit nassen Kerzen und Benzin im Öl mal den Unterdruckschlauch am Ansaugstutzen oder Motorblock abziehen und dran saugen . Hat man dann nur Luft im Mund , ist alles gut . Bei Sprit im Mund bitte ausspülen , Bier trinken und neuen Benzinhahn ( neue Pumpe ) vebrauen .

Übrigens gibt es auch immer wieder den Fehler , dass die Membran offen hängt und der Sprit IMMER in den Vergaser läuft . An und für sich nichts Schlimmes , wird dort doch die Menge durch das Schwimmernadelventil reguliert . Ist das allerdings defekt , lässt es Sprit durch und die Suppe kann durchaus in den Motor , den Luftfilter und auch in den Auspuff laufen , je nach Arbeitsprinzip und nach Stellung des Kolbens .

Gaaaanz selten ist ein Benzinhahn , der augenscheinlich funktioniert , aber erst nach willkürlichen Abständen einfach dicht macht , der Motor geht dann einfach aus .
Die Ursache hierin liegt meines Erachtens in einem klemmenden Schieber an der Membran . Motor kalt, Schieber schiebt und lässt Sprit durch . Motor ist warm , Auspuffwärme steigt auf , der Schieber klemmt und unterbricht den Spritfluss .

Diesen Fehler habe ich gestern gehabt und zweimal schieben müssen , weil er anfangs nicht vorhanden war . Ich hatte Glück : Während ich am Unterdruckschlauch gesaugt habe , klopfte ich auf den Benzinhahn , bis der durch Zauberhand wieder öffnete . Vergaser geflutet , 2km später erneut aus . Nochmal gesaugt , Dann auch mal Luft reindrückt und wieder gesaugt , bis sich die Verklemmung löste , geflutet und weiter gefahren . Zwischendurch halt immer gewartet und geschoben , weil der Motor heiß war und der Sprit dann über den Auspuff lief .... Also aufpassen !

Es ist also immer ratsam , hier mit Sinn und Verstand einen Fehler zu suchen , wenn ihr die o.a. Schäden habt .

MeisterZIP
Kymco : Born for fun and speed !

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